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Hans H. Glunz
Die Literaturästhetik des europäischen Mittelalters: Wolfram, Rosenroman, Chaucer, Dante.
Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann, 1963. Second printing. xvi/607 pages.
Volume, measuring approximately 6.25" x 8.75", is bound in dark blue cloth, with stamped gilt lettering to spine. Book is in fine condition, with top edge of text block tinted black. Binding is firm. Lightly age-toned pages are clean and without markings. Dust jacket exhibits light wear and is preserved in mylar cover.
"Die Notwendigkeit einer neuen Auflage der Literaturästhetik des 1944 im Osten gefallenen Frankfurter Anglisten Hans H. Glunz rechtfertigt sich aus dem Fehlen einer neuen Arbeit, die wie das Glunz'sche Werk aus umfassender Kenntnis der mittelalterlichen Geistesgeschichte mit gleicher philologischer Genauigkeit die Fragen klärt, wie im Mittelalter einer an den Seinsgründen interessierten Zeit, Dichtung überhaupt möglich war und welcher Rang ihr in der Wertwelt zukam. Ohne die Rolle des poetischen Werks und des Dichters, der vom Handwerker zum Schöpfer wurde, in der Gesamtheit des menschlichen Schaffens zu präzisieren, ist richtiges Verständnis und angemessene Beurteilung der literarischen Erzeugnisse des Mittelalters nicht möglich. Die Auffassung vom Kunstwerk als Organismus und Dichter als Kosmos- und Organismenschöpfer ist durch die Poetiken der Klassik so sehr in den Vordergrund gerückt worden, daß sie oft unbedacht zum Kriterium der Poesie aller Zeiten erhoben wird. Um so notwendiger ist es, daran zu erinnern, daß der Begriff des von Menschengeist geschaffenen Organismus in unserem Kulturkreis erst im 16. Jahrhundert bekannt wurde und die Dichtungen des Mittelalters nicht an ihm gemessen werden können. Sie müssen vielmehr wieder in das Verhältnis zum absoluten Wert und zur aufnehmenden Gemeinschaft einbezogen werden, aus dem sie entstanden, ihr Plan, ihr Aufbau und ihr Zweck muss dem Betrachter deutlich sein, damit er die Einzelheiten der Ausfuhrung in ihrem Zusammenhang sieht und das Ethos des mittelalterlichen Dichters, das sich von Wolfram bis zu Dante langsam bildete und wandelte, begreiflich wird. Die Ergebnisse, die Glunz erzielt, sollten erneut zur Diskussion gestellt warden. Sie sind nicht nur für das gesamte Gebiet der mittelalterlichen Geistesgeschichte, Literaturwissenschaft und Philologie aktuell, sondern für ein begründetes historisches Verständnis der modernen Dichtung."
 

Die Literaturästhetik des europäischen Mittelalters

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